Deutsche Telekom AG - Geschäftsbericht 2009

Süd- und Osteuropa. Die gesamtwirtschaftliche Situation in Süd- und Osteuropa war in 2009 stark von der weltweiten Wirtschaftskrise betroffen, die Bruttoinlands- produkte der einzelnen Länder waren in Summe signifikant rückläufig. Erste Prognosen für 2010 sehen hier allerdings wieder erste Anzeichen einer gesamtwirtschaftlichen Erholung. Das Geschäft der Deutschen Telekom war ebenfalls negativ von der Wirt- schaftskrise betroffen. Visitor- und Roaming-Umsätze waren aufgrund geringerer Reisetätigkeiten rückläufig. Zudem wurde das Geschäft durch verschärften Preiswettbewerb, regulatorische Einflüsse und Sondersteuern belastet. Positive Entwicklungen gab es auf der Produktseite. Im Mobilfunk war das Apple iPhone, stellvertretend für eine Vielzahl von attraktiven Mobiltelefonen, in vielen Ländern ein Wachstumstreiber im Segment der hochwertigen Kunden. Die steigende Bedeutung von mobilen Datendiensten zeichnet sich auch hier bereits ab. Auf der anderen Seite war das Mobilfunkgeschäft in einigen Ländern durch regulatorisch gewollte Absenkungen von Terminie- rungsentgelten und Sonder-Mobilfunksteuern negativ belastet. Zunehmender Wettbewerb auf der Preisseite sorgte ebenfalls für Umsatzrückgänge. Im Festnetzgeschäft gab es positive Entwicklungen im Breitbandmarkt. Gerade das IPTV-Geschäft entwickelte sich sehr positiv. Auf der anderen Seite waren im klassischen Festnetzgeschäft Anschlussverluste zu verzeichnen. Systemgeschäft. Das Geschäftsjahr 2009 stand ganz im Zeichen der globalen Wirtschafts- krise. Der Kostendruck in den Unternehmen nahm stark zu. Die Moderni- sierung und Anpassung der IT in den Unternehmen wurde vielfach zeitlich verschoben und die ICT-Budgets in vielen Unternehmen gekürzt. Diese allgemeine Entwicklung stellte sich in den einzelnen Marktsegmenten sehr unterschiedlich dar. Im Bereich der Telekommunikation, in dem der Markt bereits in den ver- gangenen Jahren durch einen harten Wettbewerb und Preisverfall geprägt war, hatte die Wirtschaftskrise nur einen geringen Einfluss. Im Bereich IT- Dienstleistungen wurden jedoch Projekte gestreckt oder in das Jahr 2010 verschoben. Dies führte zu einem starken Rückgang im IT-Projektgeschäft, dem typischen Systems Integration Geschäft. Das sog. Outsourcing- Geschäft hat sich dagegen weiter stabil entwickelt, gerät aber zunehmend stärker unter Preisdruck. Die Gesamtnachfrage hat sich allerdings weiter verändert. Die Nachfrage nach ganzheitlichen Lösungen und neuen Abrechnungsmodellen steigt. Diese Lösungen müssen die Prozesse der Unternehmen verbessern und zur Wertsteigerung beitragen. Themen wie Cloud Services (z.B. dynamische Application Services) und dynamische Infrastruktur Services verändern zunehmend den Markt. Analysten und Branchenverbände gehen aufgrund der wirtschaftlichen Erholung ab 2010 wieder von einem Wachstum des ICT-Markts aus. Als Wachstumstreiber werden vor allem der in den letzten Jahren entstandene Investitionsstau, die Transformation zu Cloud Services und verbrauchs- abhängigen Abrechnungsmodellen gesehen. Regulatorischer Einfluss auf das Geschäft. Die Geschäftstätigkeit der Deutschen Telekom unterliegt in hohem Maße der staatlichen Regulierung. Damit verbunden sind umfassende behördliche Eingriffsbefugnisse in die Produkt- und Preisgestaltung. Regulierung national. Das Telekommunikationsgesetz (TKG) gibt für viele Telekommunikationsdienstleistungen der Deutschen Telekom einschnei- dende Regelungen vor. Nach dem TKG kann die Bundesnetzagentur (BNetzA) Unternehmen, die auf einzelnen Märkten über eine „signifikante Marktmacht“ verfügen, Verpflichtungen bezüglich ihrer auf diesem Markt angebotenen Leistungen auferlegen. So kann die BNetzA ein Unternehmen zum Angebot bestimmter Vorleistungsprodukte verpflichten, deren Preise zudem der vorherigen Genehmigung durch die Behörde unterliegen. Da die BNetzA die Deutsche Telekom in weiten Teilen des deutschen Telekom- munikationsmarkts als Unternehmen mit „signifikanter Marktmacht“ einstuft, greift Regulierung in vielen Bereichen in die unternehmerische Freiheit der Deutschen Telekom ein. Die Deutsche Telekom unterlag im Festnetzgeschäft auch 2009 einer umfassenden Regulierung. Zwar fand im Endkundenmarkt eine Deregulie- rung durch den Wegfall der Regulierung nationaler Verbindungen statt, allerdings unterliegt auch hier der Telefonanschluss weiterhin einer nach- träglichen (ex-post) Regulierung durch die BNetzA. Nach dem aktuellen Entwurf der BNetzA soll die Regulierung des Telefonanschlusses auch auf reine IP-Netze ausgeweitet werden. Die wichtigsten Wholesale-Märkte, wie der Zugang zur Teilnehmeranschluss- leitung (TAL), Interconnection, Mietleitungen oder Bitstromzugang, unter- liegen weiterhin einer tiefgehenden ex-ante Regulierung und damit auch der Preiskontrolle durch die BNetzA. Der Ausbau des Glasfasernetzes führte zu neuen Verpflichtungen für die Deutsche Telekom. Der Zugang zu VDSL-Netzen ist zum einen durch seit 2007 existierende und in 2009 weiter konkretisierte Zugangspflichten in Bezug auf passive Infrastrukturbestand- teile des neuen Netzes, etwa die Multifunktionsgehäuse am Straßenrand, die Kabelrohre unter der Straße sowie hilfsweise auch mittels des Zugangs zur sog. „unbeschalteten Glasfaser“ reguliert. Zum anderen sieht die BNetzA in einem aktuellen Konsultationsentwurf auch die Regulierung eines Bitstrom-basierten Vorleistungsprodukts im Rahmen einer ex-post Kontrolle vor. 69Der Konzernlagebericht Wirtschaftliches Umfeld

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