Innovationsindikator Deutschland 2009

Frühe Bildung Weiterführende Schule Hochschule Innovation Bildung: Mehr Geld, bessere Qualität. ⁄ Das Bildungssystem bleibt einer der wesentlichen Schwachpunkte Deutschlands. Es mangelt nicht nur an Geld. Auch die Lernergebnisse sind im internationalen Vergleich lediglich Mittelmaß. Das ist nicht zuletzt eine Folge ungenügender Unterstützungs- und Anreizsysteme. Wachsende Bildungsetats müssen flankiert werden von Reformen der Rahmenbedingungen. Hier sind die Länder gefragt. Deren Abstimmungsbemühungen dürfen nicht bei einheitlichen Vorgaben zur Lehrerausbildung und Bildungsstandards stehen bleiben. Zudem sollte das Kooperationsverbot aufgehoben werden, damit Bund und Länder künftig wieder zum Wohl des Bildungsstandortes zusammenarbeiten können. Fachkräftemangel: Bologna-Reform konsequent umsetzen. In Deutschland leben zu wenig junge Akademiker. Lediglich 22 Prozent der 25- bis 39-Jährigen haben hierzulande einen tertiären Abschluss. Damit liegt Deutschland im Vergleich der 17 führenden Industrienationen auf Rang 15. Der Bundesrepublik droht daher ein massiver Fachkräftemangel. Mit der Einführung der Bachelorstudiengänge hat Deutschland einen ersten Schritt getan, um mehr Jugendliche an den Hochschulen auszubilden. Die kürzere Studiendauer und der stärkere Praxisbezug der Bachelorfächer sind objektiv betrachtet zweifellos positiv zu bewerten; das System hat aber auch erhebliche Schwächen. Die Hoffnung auf sinkende Abbrecherquoten hat sich bislang nicht erfüllt. Die Bologna-Reform sollte gemeinsam weiterentwickelt werden. Die Politik muss dabei erreichen, dass sich die Akteure abstimmen und den Reformprozess so koordinieren, dass der qualitative Mehrwert der Studiengänge die bisherigen Stärken der akademischen Ausbildung übertrifft. ⁄ Akademikerinnen: Berufstätigkeit erleichtern. In den kommenden zwei Jahrzehnten werden die Unternehmen vor allem mehr Absolventen der Studienfächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) benötigen. Daher ist es erfreulich, dass diese Fächer bei Frauen beliebter werden. Im Jahr 2006 stieg die Zahl der Absolventinnen in den MINT-Studiengängen um 6.700 auf 24.600. Studien zeigen jedoch, dass vergleichsweise viele Akademikerinnen schon einige Jahre nach dem Studium ihre Vollzeitstelle aufgeben. Ein wichtiger Grund: In Deutschland lassen sich Familie und Beruf nur schwer vereinbaren, wie beispielsweise Umfragen unter Ingenieurinnen belegen. Deutschland sollte sein Angebot an Kindertagesstätten und Ganztagsangeboten in Kindergärten und Schulen ausbauen, um insbesondere Frauen den schwierigen Spagat zwischen Beruf und Kindererziehung zu erleichtern. ⁄ ⁄ Finanzierungsmöglichkeiten erweitern. Neben den Bildungsdefiziten sind die Probleme der Unternehmen, Kredite und Risikokapital zu erhalten, die größte Schwachstelle im deutschen Innovationssystem. Im entsprechenden Teilindikator „Finanzierung“ rangiert Deutschland lediglich auf dem drittletzten Platz. Die Unternehmen brauchen bessere Möglichkeiten, Innovationen über einen Mix aus staatlichen Fördergeldern und eigenen Mitteln zu finanzieren, damit sie nicht ganz so stark auf Kredite angewiesen sind. Dazu ist unter anderem eine zweigleisige Politik nötig: Auf der einen Seite kann der Staat die technologiespezifische Programmförderung in Hightech-Feldern sowie die technologieoffene Programmförderung der kleinen und mittleren Unternehmen beibehalten. Auf der anderen Seite sollte Deutschland zusätzlich eine steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung einführen. BDI † Deutsche Telekom Stiftung † Innovationsindikator 2009 7

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