Innovationsindikator Deutschland 2009

keit, ihre Bilanzen um faule Wertpapiere zu bereinigen. Dadurch erhalten die Geldhäuser breitere Spielräume, mehr Kredite zu vergeben. Im September hat die Bundesregierung dann entschieden, dass die Kreditanstalt für Wiederaufbau künftig sogenannte Globaldarlehen an Banken vergeben wird. Diese können das Geld ihrerseits als Kleinkredite an die Unternehmen verleihen. Für das Programm stellt der Bund 10 Milliarden Euro aus dem Wirtschaftsfonds Deutschland bereit. Kapitalgeber investieren hierzulande wesentlich weniger Geld in junge deutsche Unternehmen. Die Maßnahmen zielen auf die Folgen der aktuellen Konjunkturkrise. Auch wenn sie greifen – die beschriebenen strukturellen Probleme bleiben dennoch bestehen. Hier ist die Politik weiter gefragt. Nach Ansicht des DIW hat der Gesetzgeber allerdings nur wenige Möglichkeiten, die Vergabe von Krediten und anderen Finanzierungsformen nachhaltig zu beeinflussen. Der Staat kann aber dafür sorgen, dass die Unternehmen bessere Möglichkeiten erhalten, Innovationen über einen Mix aus eigenen Mitteln und öffentlichen Fördergeldern zu finanzieren – sprich: Er kann das sogenannte Innenfinanzierungspotenzial der Firmen stärken. Auf diese Weise wären insbesondere kleine und mittlere Unternehmen nicht mehr so abhängig von Krediten. Nötig sind dafür unter anderem neue Wege in der Förderpolitik. Derzeit schiebt der Staat Forschung und Entwicklung in erster Linie über Programme an. Dazu legen die Fachleute in den Ministerien zunächst für jedes Förderprogramm Technologiefelder und Unternehmenstypen fest, die sie unterstützen möchten. Erfüllt eine Firma die Kriterien, kann sie sich um die Gelder des jeweiligen Programms bewerben. Erfahrungen zeigen, dass vor allem große Unternehmen die Mittel in Anspruch nehmen. Um auch KMU langfristig bessere Finanzierungsmöglichkeiten zu eröffnen, schlägt das DIW vor, zusätzlich zu den aufgelegten Programmen eine spezielle steuerliche FuE-Förderung einzuführen. So sollten die Unternehmen beispielsweise die Möglichkeit erhalten, einen Teil der Ausgaben für hoch qualifiziertes Personal und bestimmte Labormaterialien von der Steuerschuld abziehen zu dürfen. Die steuerliche Förderung wird bereits weltweit genutzt: Mit Ausnahme von Schweden unterstützen alle im Innovationsindikator erfolgreichen Länder forschende Unternehmen über spezielle Steuererleichterungen. Deutschland dagegen nutzt einer OECD-Studie zufolge die steuerliche FuE-Förderung bislang so wenig wie kein anderer der 17 wichtigsten Industriestaaten. Handlungsbedarf besteht darüber hinaus im Bereich der Gründungsfinanzierung. Der Innovationsindikator zeigt, dass Kapitalgeber hierzulande wesentlich weniger Geld in junge deutsche Unternehmen investieren als in anderen Ländern. Ein Grund: Die steuerlichen Rahmenbedingungen sind nicht so attraktiv. Ein Beispiel dafür sind die Möglichkeiten zum sogenannten Verlustvortrag: Start-ups machen in der Anfangszeit meist Defizite. Wenn die jungen Firmen dann nach einigen Jahren schwarze Zahlen schreiben, können sie die Verluste aus den Vorjahren in ihrer Steuererklärung geltend machen – sie sparen also Steuern. Verkaufen Investoren aber ihre Anteile an jungen Unternehmen, dann dürfen die neuen Eigentümer diese steuerlichen Vorteile nur unter sehr komplizierten und restriktiven Voraussetzungen nutzen. Das drückt den Preis, den Investoren mit dem Verkauf von Beteiligungen erzielen. Weil andere Länder – wie etwa Frankreich – in dieser Hinsicht attraktivere Steuergesetze bieten, sind Investitionen in deutsche Start-ups weniger lukrativ. Die uneingeschränkte Anerkennung von Verlustvorträgen für innovative Unternehmen ist aus Sicht des DIW daher ein zentraler Ansatzpunkt, um Firmengründungen zu erleichtern. 68 BDI † Deutsche Telekom Stiftung † Innovationsindikator 2009

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