Fünf Jahre Innovationsindikator – eine Bilanz. Die Fähigkeit, Innovationen zu entwickeln und erfolgreich auf den Weltmärkten zu vermarkten, bestimmt heute mehr denn je über Wohlstand und wirtschaftliche Dynamik. In Deutschland rückt diese Tatsache zunehmend ins Bewusstsein aller Verantwortlichen. Umfragen zeigen beispielsweise, dass viele Unternehmen selbst in den düsteren Krisenmonaten des Jahres 2009 ihre Innovationsanstrengungen ausgebaut haben. Dahinter steht die feste Überzeugung, dass die deutsche Wirtschaft nur mit hochmodernen Eigenentwicklungen auf den Weltmärkten Erfolg haben kann. Auch die Politik hat dem Thema Zukunftsfähigkeit in den vergangenen Jahren wachsende Aufmerksamkeit geschenkt. Im Rahmen der Hightech-Strategie etwa wurden seit 2006 zahlreiche neue Förderprogramme aufgelegt und die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft unterstützt. Gleichzeitig hat Deutschland in der Bildungspolitik erste Reformen auf den Weg gebracht. So sollen zum Beispiel die neuen Bildungsstandards die Qualität der Schulausbildung verbessern. Mit solchen Anstrengungen steht Deutschland jedoch nicht alleine da. Zum einen setzen Schwellenländer wie China derzeit alles daran, sich von den Werkbänken der Welt in moderne HightechStandorte zu verwandeln. Zum anderen haben auch viele etablierte Industrieländer ihre Bemühungen um die Zukunftsfähigkeit deutlich verstärkt. Inwieweit die deutschen Reformmaßnahmen ausreichen, um im Konzert der führenden Innovationsstandorte mitspielen zu können, lässt sich daher nur an einem internationalen Vergleich ablesen. Die Deutsche Telekom Stiftung und der Bundesverband der Deutschen Industrie haben deshalb das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung damit beauftragt, die Innovationsfähigkeit der führenden Industriestaaten zu analysieren. Zum ersten Mal erschien der Innovationsindikator im Jahr 2005. In diesem Jahr liegt damit die fünfte Studie vor. Dieses kleine Jubiläum bietet Gelegenheit für eine Zwischenbilanz. Der Befund fällt allerdings ernüchternd aus: Allen Reformen zum Trotz – im internationalen Vergleich tritt unser Land auf der Stelle. Der Indikator belegt zwar, dass wir seit Jahren hervorragende Forschungsinstitute und innovative Unternehmen haben, um die uns viele Länder beneiden. Allerdings ist es nicht gelungen, die Dr. Klaus Kinkel. politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen entscheidend zu verbessern. Seit dem Start der Studie steckt Deutschland daher im Mittelfeld des Rankings fest. Was muss Deutschland tun, um den Abstand zu den innovativsten Standorten wie den USA, der Schweiz oder Schweden zu verkürzen? Um diese Frage zu beantworten, haben wir das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in diesem Jahr erstmals gebeten, aus dem Indikator Handlungsfelder abzuleiten, auf denen Politik und Wirtschaft die Zukunftsfähigkeit nachhaltig stärken können (siehe Seite 6 und 7). Eines der wichtigsten Handlungsfelder ist die Bildungspolitik. Hier belegt der Innovationsindikator: Deutschland ist mit seinen Bildungsangeboten international kaum wettbewerbsfähig. Fortschritte werden wir nur erzielen können, wenn Bund und Länder wieder zum Wohl des Bildungsstandorts zusammenarbeiten dürfen. Eine weitere wichtige Hausaufgabe für die Bildungspolitik ergibt sich aus den Unterschieden der Schulsysteme zwischen den Bundesländern. Diese führen so weit, dass für Schüler ein Umzug innerhalb Deutschlands oft mit Problemen verbunden ist. Ortswechsel werden in innovativen Staaten aber immer mehr zur Regel. Die Bundesländer sind daher aufgerufen, die Schulstrukturen anzugleichen und bundesweit vergleichbare Lehrpläne zu erarbeiten. 4 BDI † Deutsche Telekom Stiftung † Innovationsindikator 2009