Innovationsindikator Deutschland 2009

Zukunftsfundament mit Rissen. Das deutsche Bildungssystem. Auf einen Blick. † Deutschland muss weiter nachsitzen: Unter den 17 führenden Industrienationen kommt das deutsche Bildungssystem nur auf Rang 12 und konnte seine Punktwertung gegenüber dem Vorjahr kaum verbessern. Weil andere Länder jedoch nachgelassen haben, steigt die Bundesrepublik gegenüber 2008 um drei Ränge. † Vor allem die Bildungsausgaben bleiben ein Schwachpunkt. Im Vergleich zu den Statistiken des Innovationsindikators 2008 hat Deutschland sein Budget je Schüler und Student um 60 Dollar aufgestockt. Die USA beispielsweise legten dagegen 700 Dollar drauf. † Bei jungen Frauen werden die für die Innovationsfähigkeit besonders wichtigen Studiengänge Mathematik, Informatik, Natur- und Ingenieurwissenschaften beliebter. Im Jahr 2006 stieg die Zahl der Absolventinnen in diesen Fächern um 6.700. Deutschland macht so in diesem Bereich sechs Plätze gut. † Mit Investitionen in ihre Bildung können Bundesbürger eine höhere Rendite erzielen als mit Kapitalanlagen. Gerade Frauen und Ostdeutsche erzielen durch berufsqualifizierende Abschlüsse deutlich bessere Einkommen. Sie werden seltener arbeitslos als Geringqualifizierte. Das Bildungssystem bleibt ein Schwachpunkt der deutschen Innovationsfähigkeit. Zwar lässt der Indikator 2009 durchaus Fortschritte erkennen, wie etwa die steigende Zahl von Studentinnen in den Fächern Mathematik, Natur- und Ingenieurwissenschaften. Diese Lichtblicke werden aber überschattet von gravierenden Schwächen. Deutschland investiert beispielsweise noch immer relativ wenig in Schulen und Hochschulen. Dabei belegen Berechnungen des DIW: Bildung zahlt sich aus. Im September 2009 gab es für Deutschland mal wieder blaue Briefe. Traditionell bewertet die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) im Spätsommer die Bildungssysteme ihrer Mitgliedsländer. Und wie in den vergangenen Jahren bekam Deutschland einige mahnende Worte zu hören: Zu wenig Hochschulabsolventen, zu geringe Bildungsetats, unzureichende Weiterbildungsbemühungen, urteilten die Fachleute der OECD. Deutschland müsse sich daher in Bildungsfragen noch mehr engagieren, um den Anschluss an führende Industriestaaten zu schaffen. Die Kritik deckt sich mit Ergebnissen des Innovationsindikators. Zwar konnte Deutschland im Teilindikator „Bildung“ gegenüber dem Vorjahr drei Ränge gutmachen, aber noch immer reicht es mit Rang 12 nur zum Mittelfeld. Der Blick auf die Punktewertung zeigt zudem, dass in den zurückliegenden zwölf Monaten kaum Fortschritte erzielt wurden. So konnte die Bundesrepublik ihre Wertung gegenüber dem Vorjahr lediglich von 3,20 auf 3,54 Zähler erhöhen. Erfolgreiche Bildungsnationen wie Dänemark und die Schweiz erreichen dagegen doppelt so viele Punkte. Für seine Bewertung des Bildungssystems analysiert das DIW vier Teilbereiche: † Ausgaben für Bildung † Qualität der Ausbildung an Schulen und Hochschulen † Aktuelle und künftige Verfügbarkeit von Fachkräften † Weiterbildungsengagement Bildungsausgaben: An der Zukunft gespart. Deutschland spart seit Langem an seinem wichtigsten Rohstoff: Im Jahr 2002 summierten sich die privaten und öffentlichen Bildungsausgaben auf 5,3 Prozent der Wirtschaftsleistung. Schon damals war das im internationalen Vergleich wenig. In den darauf folgenden Jahren sank die Quote immer weiter. So investierte Deutschland 2005 gerade einmal 5,1 Prozent des Bruttoinlandsproduktes in die Ausbildung des Nachwuchses. Unter den 17 analysierten Industriestaaten steht die Bundesrepublik damit bei den Gesamtausgaben für Bildung nur auf Platz 12. Vor einigen Wochen meldete die OECD, dass die Bildungsbudgets im Jahr 2006 sogar weiter auf 4,8 Prozent gefallen sind. Der OECD-Durchschnitt liegt dagegen bei 5,5 Prozent. Für ein Land, dessen Wohlstand wesentlich auf dem Wissen und den Kompetenzen seiner Bürger basiert, ist ein solcher Rückstand mehr als bedenklich. Leistungsfähigkeit der Bildungssysteme. Rang 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 Punktwert Schweiz Dänemark USA Kanada Schweden Finnland Großbritannien Frankreich Belgien Niederlande Japan Deutschland Österreich Korea Irland Spanien Italien 1,08 1,00 2,71 3,64 3,54 3,46 3,44 4,23 4,84 4,75 4,69 6,53 6,36 6,32 6,14 7,00 6,98 1,00 Quellen: Originaldaten WEF, OECD, Eurostat; Berechnungen des DIW Berlin. 48 BDI † Deutsche Telekom Stiftung † Innovationsindikator 2009

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