Forschungspolitik: Komplizierte Förderung. Mit seiner Forschungspolitik steht der deutsche Staat derzeit auf Rang 9. Das Ergebnis basiert auf der Analyse von drei Teilbereichen: der staatlichen Forschungsförderung, der Kooperation von öffentlichen Wissenschaftsinstituten mit der Privatwirtschaft sowie der staatlichen Förderung von Grundlagenforschung. 1. Öffentliche Forschungsförderung. Forschung braucht öffentliche Gelder. Für die staatlichen Wissenschaftsinstitute gilt das ohnehin. Aber auch viele Unternehmen sind auf Förderung aus Steuertöpfen angewiesen, da sie ihre Entwicklungsarbeit nicht ausschließlich über eigene Mittel, Kredite und Risikokapital finanzieren können. Gerade in der aktuellen Wirtschaftskrise ist der Kapitalbedarf gewachsen. Die große Koalition hatte darauf in der vergangenen Legislaturperiode reagiert. Unter ande- Innovationsmotor Wettbewerb: Deutschlands Märkte bleiben umkämpft. Der beste Beleg dafür, dass Wettbewerb die Suche nach Innovationen antreibt, tuckerte vor 20 Jahren erstmals über die westdeutschen Autobahnen: der Trabant. Mit dem Wartburg hatte er natürlich einen Konkurrenten, aber echter Wettbewerb um Kunden herrschte zwischen den beiden nicht. Der Hersteller sah daher lange Zeit keinen Zwang, das Modell wirklich zu verbessern. Im Jahr 1989 galt das Credo „Freie Fahrt für freie Bürger“ dann plötzlich in ganz Deutschland – und der völlig veraltete Trabant kam ins Stottern. Zu Dutzenden standen die Trabis defekt auf der Standspur, während die Westkarossen vorbeifuhren. Um sich gegen die harte Konkurrenz durchzusetzen, hatten die Hersteller im Westen nämlich seit Jahrzehnten in neue Technik und kostengünstigere Herstellungsverfahren investieren müssen. Das historische Beispiel verdeutlicht einen Grundsatz der Marktwirtschaft: Je mehr die Unternehmen um Kunden kämpfen müssen, desto intensiver forschen sie nach besseren Produkten und effizienteren Produktionsverfahren. In Deutschland läuft der Innovationsmotor „Wettbewerb“ derzeit auf höheren Touren als im vergangenen Jahr, wie der entsprechende Teilindikator belegt. So klettert die Bundesrepublik im Ranking von Platz 10 auf Rang 8. Vor allem Manager bestätigen, dass Deutschland ein umkämpfter Markt ist. In keinem anderen Land herrsche in fast allen Branchen ein derart intensiver Konkurrenzkampf wie hierzulande, sagten die Unternehmenslenker in einer Befragung für das World Economic Forum im Jahr 2008. Auch würden nirgendwo sonst so viele Unternehmen in wichtigen Schlüsselindustrien miteinander wetteifern wie in Deutschland. Negativ zu Buche schlägt allerdings, dass etablierte Firmen kaum Druck von neu gegründeten Unternehmen spüren. Das geht aus dem Global Entrepreneurship Monitor hervor, der von Universitäten weltweit gemeinsam erarbeitet wird. Die Wissenschaftler untersuchen unter anderem, wie viele Bürger eines Landes als Eigentümer ein Unternehmen gründen. In Deutschland waren das im Jahr 2008 rund 4,5 Prozent, ein Jahr zuvor hatten noch fast 5 Prozent ihr eigenes Unternehmen an den Start gebracht. Zum Vergleich: Beim Spitzenreiter USA waren es 2008 über 10 Prozent. Deutschland fällt daher beim Teilindikator „Gründungsaktivitäten“ von Rang 10 auf Platz 12. Neben den Gründungsaktivitäten und der Managerumfrage hat das DIW die Verbreitung von Korruption in das Ranking einbezogen. Dahinter steht der Gedanke, dass Unternehmen, die Aufträge mit Schmiergeldern ergattern können, weniger Anreize haben, ihre Konkurrenz mit Innovationen auszustechen. Wie im Vorjahr erreicht Deutschland in puncto Korruptionsbekämpfung Rang 9. In Dänemark, Schweden und Finnland sind Bestechungen am geringsten verbreitet. Das ergibt sich aus dem Korruptionswahrnehmungsindex 2008 von Transparency International. Die Fachleute der nichtstaatlichen Organisation fragen für ihren Index ortsansässige und auswärtige Geschäftsleute, wie sehr Bestechung bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen an der Tagesordnung ist. Zudem stützt sich die Studie auf Einschätzungen von Länderanalysten und Experten vor Ort. Deutschland hat in der Studie seinen Platz aus dem Vorjahr gehalten, weil „in Politik und Verwaltung keine großen Korruptionsfälle zu verzeichnen waren“, urteilt Transparency International. Zugleich haben die deutschen Unternehmen ihr Engagement im Kampf gegen Korruption rund um die Welt weiter forciert. „Es gibt eine wachsende Zahl von öffentlichen Informations- und Schulungsveranstaltungen, Unternehmen tauschen sich untereinander und mit Experten aus, Compliance-Abteilungen werden auf- oder ausgebaut“, schreibt die Antikorruptionsorganisation. Vor allem bei kleinen und mittleren Unternehmen gebe es allerdings immer noch Handlungsbedarf. „Der Funken der Korruptionsprävention muss stärker auf den Mittelstand überspringen. Die Unternehmer sollten erkennen, dass die straf- und zivilrechtlichen Risiken für ihr Unternehmen bei Auslandsbestechung enorm gestiegen sind“, appelliert Sylvia Schenk, Vorsitzende von Transparency International Deutschland. 28 BDI † Deutsche Telekom Stiftung † Innovationsindikator 2009